Get Adobe Flash player

Ein ca. halbstündiger Beitrag aus den 1970er Jahren mit dem grossen Humanisten und Psychoanalytiker Erich Fromm darüber wie Faschismus und damit verbundener Sadismus entsteht.

Schaut man sich heute an was teilweise in den Ämtern für Erwerbslose so von statten geht, kann man Erich Fromm nur Recht geben. Er erkannte schon vor fast 40 Jahren wie Menschen aus Autoritätsgefühl, das wiederum aus Scheitern entsteht, geneigt sind, andere zu unterdrücken.

Faschismus hat auch immer etwas mit Sadismus zu tun. Dabei geht es nicht zwangsläufig darum, einen anderen Menschen physisch zu quälen, sondern vielmehr psychisch und der zu Quälende muss schwächer sein. Nur so kann man seine Triebe ausleben.

Der Hang zum Faschismus – und dabei geht es nicht um den Faschismus, wie man ihn nur aus der Hitlerdiktatur kennt – beginnt bereits in der Schule. Wenn schon in der Schule die Abschlussnote des Abiturs entscheidender ist als der Mensch, der dahinter steht, wenn da schon ein intensives Konkurrenzdenken entsteht und gefördert wird, ist man abhängig von Noten und Beurteilungen, abhängig vom späteren Arbeitsmarkt, abhängig von Faktoren, über die man keinerlei Kontrolle hat. Da wird das Gefühl der eigenen Macht nicht grösser, z.B., dass man in demokratischen Wahlen mit Abgabe der Stimme etwas verändern kann. Ganz im Gegenteil! Solche Menschen stimmen dann sehr häufig eher destruktiv nur aus Ärger, statt aus rationalen Motiven. Man muss es ja schlieslich “denen” mal zeigen. So sucht man sich dann immer Schwächere, auf denen man herumhacken kann.

In den Verwaltungen der Arbeitsämter beispielsweise – und das kann ich belegen – findet man häufig Menschen, die eigentlich auf Grund ihrer Ausbildung und früheren Tätigkeit dort gar nicht sein dürften. Da findet man sogar ehemalige Juristen, bei denen man sich fragt, warum es nicht für eine eigene Kanzlei oder eine Position bei Gericht gereicht hat. Man kann also davon ausgehen, dass diese Personen auf irgendeine Weise vorher gescheitert sind und nun plötzlich in eine Position gelangen, in der sie ihr voriges Scheitern damit kompensieren können, Macht über andere auszuüben, was absolut irrationaler Autorität entspricht und sehr nah auf der Tendenz zum Faschismus sind, der immer mit Sadismus, Bevormundung, Sozialrassismus und Unterdrückung einhergeht, was wiederum IMMER in der Diktatur endet. Vor allem Menschen aus der so genannten bürgerlichen Mittelschicht neigen zu solchen Tendenzen, was sie natürlich nie offen zugeben würden. Aber man hört ja täglich Sprüche wie: “Arbeitslager für Arbeitslose” ; “Rentner kosten Geld” ; “Ausländer klauen die Jobs” ; “Ich füttere Arbeitslose durch” ; etc. pp.

Es ist also gar nicht so weit hergeholt, wenn z.B. erwerbslose und von Hartz IV betroffene Menschen die Arbeitsämter, Jobcenter, Argen, Optionskommunen etc. mit faschistischen Behörden vergleichen, auch wenn diese Behörden das nicht gerne hören. Wer lässt sich schon gerne als Faschist bezeichnen?

Psychoanalytisch betrachtet geschieht aber in den Amtsstuben genau das. Man denke nur an die Verpflichtung zur Zwangsarbeit, nicht mehr frei entscheiden zu dürfen, welche Tätigkeit man ausüben will (die freie Beruswahl ist im Grundgesetz übrigens verankert), den Entzug des Existenzminimums, Unterstellung von Straftaten bis hin zu Anzeigen und Strafbefehlen ohne vorige Anzeige und der Möglichkeit sich äussern zu dürfen. Das ist eindeutig Diktatur und hat faschistische Züge, die aus einer völlig überdrehten Machtposition heraus entstehen. Man vergreift sich an Schwächeren, um die eigene Stärke zu beweisen, was in Wahrheit nichts anderes ist als das Überspielen der eigenen vorigen Scheiterung. Wahre Faschisten und Sadisten suchen sich niemals ebenbürtige Gegner. Im Gegenteil, diese beten sie nahezu an und unterwerfen sich denen sogar, was wiederum Autoritätshörigkeit entspricht. Der wahre Faschist beruft sich immer auf höhere Autoritäten. Sei es der/die Vorgesetzte, das Schicksal, der Markt, die Regierung, man könne sich nicht entziehen, man ist untergeordnet, man halte sich an Vorgaben/Befehle, man tue nur seine “Pflicht”, macht seinen “Job”, man wäre selbst in Not, müsse an eigene Familie denken, müsse schliesslich auch leben, jeder wäre seines Glückes Schmied, es gäbe einen “Markt”, dem man sich unterwerfen müsse etc. pp. Von daher hat der Faschist/Sadist auch eine masochistische Ader, die nicht unbedingt dahin gipfeln muss, Schmerz empfinden zu wollen. Masochismus ist auch Unterwerfung und so unterwirft sich der wahre Faschist völlig freiwillig höheren Autoritäten, um seine eigene – wenn auch völlig falsche – Autorität gegenüber anderen rechtfertigen zu können (nach oben buckeln, nach unten treten). Wer sich aber derartig unterwirft, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken, ist ein Faschist durch und durch. Denn Faschismus bedeutet nichts anderes als die Verschmelzung wirtschaftlicher Interessen mit politischer Macht, die es gilt, auf Gedeih und Verderb durchzusetzen und dabei aus eigenem egoistischen Antrieb heraus das Bestmögliche für sich selbst herauszuwirtschaften (Auslebung des Egoismus = Hauptursache der 7 Todsünden). Die Quintessenz daraus lautet dann auch folglich immer: “Was kümmert mich das Leid des anderen?” ; “Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.” ; “Ich muss zusehen wie ich meinen eigenen Arsch an die Wand bekomme.” – Das sind Tendenzen zum Faschismus und in nicht wenigen Ämtern sehr stark ausgeprägt (Arbeitsamt, Jobcenter, Arge, Optionskommune, Finanzamt, Ordnungsamt bis hin zu Polizei, wo dort noch die Uniform hinzukommt). Faschismus entsteht aus Kleinbürgertum, Opportunismus und sehr engstirnigem Denken (Tunnelblick).  Der Freiraum, den man gerne selbst hätte, aber nicht bekommt, den möchte man anderen deswegen auch nicht zukommen lassen (was ich nicht hab’, sollen andere auch nicht haben), was sich in Intoleranz und Dekadenz widerspiegelt. Zwei Phänomene der bürgerlichen Mittelschicht, die die Keimzelle für Faschismus sind. Von daher kann man auch nicht davon sprechen, dass der Faschismus als überwunden gilt, sondern vielmehr noch latent vorhanden ist.

.

14 people like this post.

14 Antworten auf Psychoanalyse des Faschismus

  • Hans-Jürgen Reglitzki sagt:

    Bravo Soeckchen!

    Sehr gutes Statement!!! Hoffentlich ziehen sich diejenegien die Schuhe an, die es betrifft!!!

  • Soeckchen sagt:

    Vielen herzlichen Dank. Das war mir ein Bedürfnis und ich hoffe, dass man diese Analyse möglichst weit verbreitet.

  • Bridget sagt:

    …und die Faschisten marschieren wieder!

  • Streetfighter sagt:

    Gute Analyse!
    Dabei merken die Typen, die anderen Schaden zufügen, ob im sozialen Bereich oder beim Existenzminimum nicht, dass sie nur ein Werkzeug sind und nach einer bestimmten Zeit auf dem Müll verschwinden.
    Deshalb wäre ich dafür, dass solche Typen mit Namen und Adresse im Netz veröffentlich werden, so dass wir wissen wer hier sein Unwesen treibt, denn keiner kann behaupten, er hätte nur Anweisungen befolgt oder seine Arbeit getan oder er konnte nicht anders, weil er ja auch Familie hat.
    Geliebt wird nicht der Verräter sondern nur der Verrat!!

    http://www.prenzlauerberg-nachrichten.de/politik/_/jobcenter-pankow-macht-keinen-guten-job-171492.html

    Es ist so gewollt wie es in dem Artikel beschrieben ist, man verschafft sich selbst immer wieder Arbeit koste es was es wolle!

    • Soeckchen sagt:

      Dankeschön! Ich habe bei den paar Zeilen auch lange überlegt und geschrieben sowie recherchiert.

  • Das ist ja genau die Strategie. Man hält die Leute hin mit befristeten Verträgen, in dem Versprechen, sie würden ja vielleicht fest übernommen werden. Würde mir jemand so ein “Versprechen” machen, würde ich ihm den Vogel zeigen. Ich frage mich echt wie doof manche Leute sind, die glauben, über Leiharbeit, Zeitarbeit, befristete Verträge zu einer unbefristeten Vollzeitsstelle zu gelangen. Das ist doch vollkommen illusorisch bei Millionen von Erwerbslosen. Da rutscht doch jeden Tag neues “Humankapital” nach. Man braucht doch nur aus dem Pool der Erwerbslosen zu fischen und sich wieder einen Unbefristeten über irgendeine Leiharbeitsklitsche holen. Wozu also dann jemanden fest einstellen? Aber die Mollusken glauben den “Versprechungen” und sind dann so eingelullt, daß sie tatsächlich der felsenfesten Überzeugung sind, sie würden aufsteigen, wenn sie nur alles zur Zufriedenheit des “Arbeitgebers” machen würden. Sie merken gar nicht, daß sie ausgenutzt werden. Das funktioniert beim Deutschen besonders gut, weil er obrigkeitshörig ist.

    Der Deutsche ist absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage! Der typische Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat, was sich zu verteidigen lohnt. Wenn er aber aus seinem Schlaf erwacht, dann schlägt er in blindem Zorn alles kurz und klein – auch das, was ihm noch helfen könnte. – Carl Friedrich von Weizsäcker

  • Streetfigther sagt:

    Wie die Hartz-IV-Behörde Menschen zerstört!!

    http://www.youtube.com/watch?v=DhSjsOIAwBw

    • Bridget sagt:

      Da werden so viele gute Aktionen gemacht, aber die Beteiligung der Leute ist unterirdisch. Nur ein paar Leutchen zu sehen bei dieser krassen Aktion. Niemand fragt mal nach . Alles rennt mit Scheuklappen vorbei.
      Der geschorene Kopf hat auch eine gruselige Symbolik. In den KZ’s hat man damals auch die Köpfe geschoren.

  • Streetfigther sagt:

    Wie krank das alles ist, kann man hier nachlesen!
    http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-siegen-kreuztal-netphen-hilchenbach-und-freudenberg/arbeitsvermittler-soll-arge-kundinnen-seinen-penis-gezeigt-haben-id8572496.html
    Da hatte ich Glück, dass ich nur mit weiblichen Typen zu tun hatte.
    Eine habe ich mal gefragt warum sie sich so viel schminkt!
    Sie muss das Jobcenter repräsentieren hat sie geantwortet.

    • Soeckchen sagt:

      Sachen gibts!

    • CJB sagt:

      - Repräsentieren! Pah! Repräsentiert man eine Mülkippe, eine Klärgrube, eine Eiterbeule, einen Höllenschlund, eine nach Pest, Cholera und Stinktier gleichzeitig stinkende Mistbude, einen grünen Schleimtümpel, in dem jeder, der hineinfällt, sofort aufgelöst wird?

      Wahrscheinlich hat sie gemeint, daß sie sich schminkt, damit man sie im richtigen Leben nicht wiedererkennt, als Jobcenter-Henkerin.

      Oder die Schminke ist ihr – psychologisch betrachtet – wie eine Wand, hinter der sie sich versteckt. Vielleicht sogar vor sich selber, denn wer kann schon so eine Jobcenter-Hackfresse ewig ertragen, selbst wenn es die eigene ist?

  • Streetfigther sagt:

    Natur ist Natur, man kann ja ein bisschen nachhelfen, ein Tuschkasten muss es aber nicht sein,aber beim Jobcenter ist alles möglich.
    Der Typ aus dem Zeitungsartikel ist doch so krank wie das gesamte System!!

    Kein anständiger Mensch arbeitet in einem Jobcenter!!

  • macmarine sagt:

    Ich mache mich schon seit etlichen Jahren bei den dämlichen Wählern der neoliberalen/neofaschistischen Blockparteien CDU-CSU/SPD/FDP/GRÜNE damit unbeliebt, daß ich ihnen ins Gesicht sage, daß der Spruch des SPD-Granden Müntefering “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!” vom selben Ungeist geprägt ist, wie das Auschwitz-Motto “Arbeit macht frei” … welches man heute ehrlicherweise über den Eingängen der sog. JobCenter anbringen sollte, damit die Sklaven wissen, was sie erwartet.

    Unsere sog. Politiker/Volksvertreter sind zu 99% die billigen Huren von CFR und GoldmanSachs!

  • macmarine sagt:

    Für alle, die sich für die weiteren psychologischen Aspekte des wieder erstarkenden Faschismus in unseren westlichen Gesellschaften interessieren, sei hier das Buch meines geschätzten kanadischen Kollegen Prof. Bob Altemeyer “The Authoritarians” empfohlen, das auf langjährige empirische Forschung zurückgeht und als PDF frei auf seiner Website

    http://home.cc.umanitoba.ca/~altemey/

    verfügbar ist (leider nur auf Englisch). Von dieser Website stammt die folgende Einleitung:

    “This book was written in 2006, halfway through George W. Bush’s second term as president. A great deal was wrong with America then, and I thought the research on authoritarian personalities could explain a lot of it. Since then a new administration has been elected, and although it has had to deal with a very serious economic crisis brought on by others, it is taking steps to correct some of what is wrong. (Anmerkung: die Einschätzung/Hoffnung war wohl zu optimistisch!)

    However, the forces that largely caused the problems have remained on the scene, and are more active today than ever before. As I try to show in the ‘Comment on the Tea Party Movement’, the research findings in this book apply at least as strongly to America today as they did four years ago. Indeed, the events of 2009 and 2010 have confirmed conclusion after conclusion in The Authoritarians. (…)”

    Insgesamt sehr empfehlenswerte Lektüre!

Besucher heute: 9
Besucher letzte 7 Tage: 99
Besucher online: 0

QR-Code

Mein Kochblog

Kalendarisches Archiv

November 2017
M D M D F S S
« Okt    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

 

 

Jung & alt, gehandicapt, mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende, ohne Schulabschluss – sie alle haben zwei Dinge gemeinsam: in den Jobcentern werden sie geführt als "Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen", bei uns sind sie wertvolle und fleissige Hände. Menschen, die bei manomama arbeiten. Ausschließlich in unbefristeten Arbeitsverhältnissen, Stundenlöhne von mindestens 10 Euro und nach Arbeitszeiten, die mit der Familie vereinbar sind.

 

Boykott !

Newsletter

Uhrzeit

Edelmetallpreise

Günstige Klamotten

Impressum

Freethinker Ltd.

69 Great Hampton Street

Birmingham, B18 6Ew

Great Britain